Kulles Verwandlung

Kulle kam aus der Höhle, rieb sich den Bärendreck aus den Augen und begrüßte Bärdel, der bereits auf ihn wartete, mit einem heiteren „Guten Morgen“. Ohne sich umzudrehen, gab Bärdel den Gruß zurück; er hatte seinen besten Freund an der Stimme erkannt. Na und Nuk, die sich ebenfalls zum Morgenspaziergang eingefunden hatten, zögerten dagegen. 

Der neue Kulle

„Guten Morgen. Onkel Kulle?“

Nuk und Na

Das war nicht die gewohnte Satzmelodie eines fröhlichen Morgengrußes. Das war unzweideutig eine Frage.

„Natürlich bin ich Onkel Kulle!“ Ob der ungewohnten Begrüßung war Kulle wirklich indigniert. Er hatte, zusammen mit Atti, die Eisbärenzwillinge erzogen und unterrichtet, seit sie mit ihrer Mutter in Bärenleben angekommen waren. Er fühle sich fast wie ihr Vater, nicht nur wie ihr Onkel. Und jetzt das!

„Ein bisschen komisch siehst Du schon aus!“ mischte Bärdel sich ein. „Ich hätte Dich auch kaum wiedererkannt, außer an der Stimme. Du hast auf einmal so lange Arme…“

„…und Beine!“ fiel Nuk ein.

„Und so einen kleinen Kopf!“ fügte Na hinzu. Kulle war sofort beleidigt – zweifelte das Kind etwa an seinem überragenden Verstand?

„Allerdings ist der Kopf jetzt bärischer als bisher“, stellte Bärdel fest. „Das gefällt mir.“

Atti sauste an der Gruppe vorbei. Sie war auf ihrer täglichen Joggingrunde. Als sie Kulles ansichtig wurde, stieß sie einen anerkennenden Pfiff aus. Ein neuer hübscher Kerl im Dorf – das fand sie gut.

Athabaska

„Onkel Kulle, Tante Atti hat Dich auch nicht erkannt! Was ist eigentlich passiert?“

„Vielleicht leidet Ihr ja alle an Bewusstseinsstörungen. An Sehstörungen. Ich sehe bestimmt aus wie immer!“

Er ging zu einer großen Pfütze ein paar Meter weiter, die sich während des letzten nächtlichen Regens gebildet hatte, um sich im Wasser zu spiegeln. Es waren nur ein paar Schritte bis dahin, der Boden war völlig eben, aber Kulle stolperte kurz davor. Als er versuchte, sich mit den Armen abzustützen, kam er unvermittelt rasch auf der Erde auf und stauchte sich das Handgelenk.

„Au!“ schimpfte er, mehr vor Schreck als vor Schmerz. Er hatte wirklich plötzlich andere, ungewohnte Extremitäten.

Die Pfütze war von dem Sturz nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, Kulle konnte das tun, was er hatte tun wollen: sich spiegeln. „Heiliger Marx!“ rief er, als er sich sah. „Ich glaub’s nicht! Das war nur ein blöder Traum! Träume sind unterbewusst, sie dienen der Gehirnreinigung, sonst gar nichts!“

Ups? Das ist Kulle?

Ungeachtet seines schmerzenden Handgelenks trommelte er wütend mit den Fäusten auf die Erde.

Bärdel trottete zu ihm und fing ihn in einer großen Umarmung auf. „Kulle, Du siehst nicht aus wie immer. Du benimmst Dich aber wie immer. Irgend etwas ist passiert, und das scheint mit Deinem Schlaf zu tun zu haben. Was hast Du geträumt?“

Kulle steht am Ufer des Dorfteiches, der  völlig zugewachsen ist mit Schilf und auf dem Teichrosen mit riesigen Blättern wachsen. Von Oicy und ihren Kindern ist nichts zu sehen, ebensowenig von den anderen Bewohnern Bärenlebens. Tussi taucht aus dem Wasser auf und grinst ihn an. Über ihrem Kopf schwirrt etwas in der Luft, das Kulle zunächst für einen rotierenden braunem Golfball hält. Erst bei näherem Hinsehen stellt er fest, dass es sich um einen kleinen Hund handelt, der seine Ohren so schnell rotieren lässt, dass er wie ein Kolibri in der Luft zu stehen vermag. Kulle beschließt, dass er das nicht verstehen muss.

Tussi und Merkel

„Hallo, Stinker!“ begrüßt Tussi ihn. „Oder besser: Lieblingsstinker! Von der ganzen Bärenbrut kannst Du mit Abstand am besten denken, deshalb schätze ich Dich besonders.“

„Vom Denken kriegt man Beulen,“ brummt Kulle.

„Hä?“ quakt Tussi. 

„Wer denkt, ist links. Wer links ist, demonstriert. Wer demonstriert, kriegt von der Polizei Prügel. von Prügel kriegt man Beulen. Also kriegt man vom Denken Beulen.“

„Gefällt mir. Kannte ich noch nicht.“

„Ist von Dietrich Kittner.“

„Kenne ich auch nicht.“

„Schade. Wirst Du nicht kennenlernen. Ist schon tot.“

„Ich will nicht, dass Du auch bald tot bist. Beulen hast Du nicht, aber schon ziemlich viele Löcher im Fell. Und in Deinen Organen. Ich verpasse Dir eine Neuinkarnation, damit Du Bärenleben und mir noch lange erhalten bleibst und den Menschen weiterhin den Spiegel vorhältst. Vielleicht gucken sie eines Tages ja tatsächlich rein, obwohl ich das nicht glaube. Okay?“

Aber…“

„Damit wir uns richtig verstehen, Stinker: Das war keine echte Frage. Finde Dich einfach damit ab!“

„So war das also! Ich glaube Dir jedes Wort. Mit mir hat Tussi leider schon lange nicht mehr gesprochen, aber die Bärenlebener werden sich freuen zu hören, dass sie sich noch in unser Leben einmischt. Heute Abend wirst Du in der Höhle der Star sein, und schon Morgen wird niemand, der Dich sieht, bezweifeln, dass Du Kulle bist.“

Kulle war sich da nicht so sicher, aber was blieb ihm anderes übrig?

September 2018

Kulle träumt

Kulle

Kulle wälzte sich unruhig im Schlaf hin und her. Es war Februar, die Tage waren schon merklich länger geworden, die Meisen kämpften um Reviere, Schneeglöckchen hatten sich aus dem frostigen Boden gekämpft – kurz, der Frühling kündigte sich an. Und mit ihm wurde der Schlaf der Bären flacher, traumanfälliger.

Er durchstreifte eine Ebene mit sattem jungem Gras, Blumenwiesen und blühenden Obstbäumen und trottete auf ein großes Objekt zu, unverkennbar ein Artefakt, denn es war rechteckig, vielleicht sogar quadratisch. Beim Näherkommen erkannte er, wie riesig es war. Er braucht eine Ewigkeit, um es zu erreichen. Die Begrenzung bildete ein hohe Umzäunung. Er konnte nicht hineinschauen, was hauptsächlich an der Werbung lag, die die Einhegung flächendeckend zierte. „Bei uns ist es fein, kommt doch herein!“ hieß es da; auch „Komm ins Team!“ und „Spaß und Erfolg? Hier bist Du richtig!“ Es gab aber nicht nur Sprüche, sondern auch verlockende Zeichnungen und Fotos: von Golfplätzen, Tennisplätzen, berühmten europäischen Wahrzeichen und immer wieder von lachenden Kindern und Jugendlichen.

Kulle bemerkte, dass er direkt auf einen Eingang zusteuerte, obwohl es hier weder Weg noch Steg gab. Aber auch als er unmittelbar vor dem Zugang stand, war ihm der Blick nach innen immer noch verwehrt, denn die Drehtür hatte undurchsichtige Wände. Die Tür kommunizierte mit ihm, als er sich näherte – sie begann sich zu bewegen, im Uhrzeigersinn wie alle Drehtüren, dann aber ein kleines Stückchen zurück und wieder ein größeres vor. Sie schien ihn locken zu wollen.

Kulle ließ sich verführen. Er trat ein. Die Drehtür stand still und ließ sich auch mit Gewalt nicht mehr zur kleinsten Bewegung bringen. Er war gefangen.

Kulle sah Tretmühlen vor sich, nichts als Tretmühlen, alle in Rotation gehalten von Menschen, die ihre letzen Kräfte aufbrachten, um sie zu bewegen. Sie hatten nicht nur gegen die Trägheit der Maschinen zu kämpfen, sondern auch mit vielerlei Widerständen: Bücher und Hefte flogen in ihren Hamsterrädern herum, verursachten ihnen blaue Flecken und Schmerzen, und immer wieder steckten Bretter oder andere feste Gegenstände irgendwo im Getriebe und blockierten die Arbeit.

Die Zwangsarbeiter stöhnten, schrieen und baten um Gnade, aber das stieß nur auf Spott bei der Vorsteherin des – Lagers – Kulle fand dafür kein anderes Wort -, die plötzlich erschien.

„Durchhalten! schrie sie. „Ich halte schließlich auch durch, jetzt schon ein Jahr lang. Was sind dagegen eure läppischen 30 oder 35 Jährchen? Lasst uns zusammenhalten, noch mehr als bisher. Die nächsten beiden Jahre werden die schlimmsten, die wir durchstehen müssen. Und deshalb müssen wir alle unser bestes geben, auch die Weicheier – äh, die nicht so Belastbaren.“

Erst jetzt bemerkte Kulle, dass es neben den riesigen ungeschlachten trägen Tretmühlen auch kleinere gab, leichtere, in denen weniger Widerstände die Arbeit behinderten. Aber das änderte sich schlagartig.

„Simsalabim!“ rief die Vorsteherin, und sofort waren auch die kleinen Tretmühlen große Hamsterräder.

„Seht ihr,“ schrie sie triumphierend, „so schaffen wir es!“

Tatsächlich – für eine kleine Weile schien das System besser zu funktionieren als vorher, aber dann stand ein Rad nach dem anderen still.

„ICH KANN ES NUN NICHT MEHR!“ hauchte eine körperlose Stimme über das Gelände, und dann trat Stille ein. Lautlos fiel die gesamte Anlage in sich zusammen, und zum Schluss brach auch die Umfriedung nieder. Die Gegend war wieder unberührt, als hätte es dort nie etwas anderes gegeben als sattes junges Gras, Blumenwiesen und blühende Obstbäume.

Kulle wachte auf und rieb sich die Augen. Wie immer war er empört darüber, dass er seine Träume nicht steuern und oft nicht erklären konnte. So ging es ihm auch diesmal. Aber dieser Traum, da war er sich sicher, hatte etwas zu bedeuten. Irgend etwas. Er würde es herausfinden.

Im Spiegel

 

Im „SPIEGEL“

 

Spiegel:

Herr Kulle, rauchen Sie Havanna oder Brasil?

Kulle:

Ich bin Nichtraucher.

Spiegel:

Aber Sie haben eine Abhandlung über Die Zigarre geschrieben. Kann man das überhaupt als Nichtraucher?

Kulle:

Sie versuchen gerade, ein Interview mit mir über mich zu machen. Können Sie das überhaupt als Nicht-Kulle?

Spiegel:

Touché. Herr Kulle, Sie sind Nichtraucher und Nichtmensch. Von Zigarren verstehen Sie etwas, das kann man nachlesen. Was denken Sie von Menschen?

Kulle:

Das kann man auch nachlesen, und zwar in meiner Habilitationsschrift.

 

Spiegel:

Vielleicht erzählen Sie uns trotzdem etwas.

Kulle:

Am Beispiel des Spiegel kann ich Ihnen erzählen, daß Menschen nicht nach Effizienzkriterien handeln, sondern rein gewinnorientiert. Wären Sie – was sinnvoll wäre – an möglichst großem Output bei möglichst geringem Input orientiert, hätten Sie Ihre Leser jetzt auf meine eben erwähnte Arbeit verwiesen. Da Sie aber auch am nächsten Montag wieder eine möglichst dicke Zeitschrift auf den Markt werfen müssen, die genügend Anzeigenkunden lockt und mit „Focus“ zumindest optisch konkurrieren kann, werden Sie dieses Interview noch eine Weile fortführen wollen. Ergebnis: Viele Bäume werden zerhäckselt, und auf tausenden von Seiten steht das gedruckt, was auf anderen Seiten auch schon steht.

Spiegel:

Sie haben also etwas gegen unser Wirtschaftssystem?

Kulle:

Überhaupt nicht.

Spiegel:

Eben haben Sie sich aber sehr kritisch darüber geäußert.

Kulle:

Irrtum Ihrerseits. Ihr Wirtschaftssystem, der Kapitalismus, ist ein in sich logisches und konsistentes System, das allerdings den Fehler hat, so angelegt zu sein, daß es sich in relativ kurzer Zeit selbst killt. Dagegen habe ich überhaupt nichts. Wenn Sie so wollen, ist auch die Sonne ein solches System – sie funktioniert, bis sie in etwa vier Milliarden Jahren ausbrennen wird. Mein Vorwurf richtet sich, wie Sie bemerkt haben sollten, gegen die Menschen, die die Kurzlebigkeit des Kapitalismus nicht erkannt haben und noch heute nicht erkennen, die noch heute gegenüber diesem System eine regelrechte Heilserwartung pflegen.

Spiegel:

Herr Kulle, glauben Sie an Gott?

Kulle:

Wieso weichen Sie plötzlich vom Thema ab?

Spiegel:

Tun wir doch gar nicht. Sie sprachen soeben von Heilserwartung.

Kulle:

In der Tat, ja. Nun gut. Warum wollen Sie das wissen?

Spiegel:

Unsere Leser interessiert es bestimmt, ob ein Bär, zumal ein intellektueller, an Gott glaubt.

Kulle:

Sie meinen den Teil Ihrer Leser, der dem Spiegel wegen bzw. trotz dessen ständiger Angriffe gegen die katholische Kirche die Treue hält? Ich werde Ihre Klientel enttäuschen: Ich glaube an Tussi.

Spiegel:

Wer ist Tussi?

Kulle:

Tussi ist eine Plüschfröschin, in ausgestrecktem Zustand etwa 1,50 Meter lang. Sie hat das Weltall erschaffen und repariert es bei Pannen beständig. Ihr Geliebter Murkel, ein kleiner Plüschhund, teilt…

Spiegel:

Entschuldigen Sie, Herr Kulle, daß wir Sie unterbrechen, aber Sie haben da gerade ein interessantes Problem angesprochen: Plüsch.

Kulle:

Ach ja?

Spiegel:

Nun, da wir über Menschen reden, sollten wir Phänomene des Lifestyles nicht außer Acht lassen. Den Menschen der 90er Jahre zieht es wieder ins Heim, zur Gemütlichkeit, also zum Plüsch. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Kulle:

Vielen Dank, daß Sie mich einen Intellektuellen geheißen haben. Eben habe ich gerade daran gezweifelt, einer zu sein, denn ich konnte Ihren Gedanken nur mit Mühe folgen. Vermutlich sind Bären den Menschen doch unterlegen – aber die Idee möchte ich momentan nicht weiter verfolgen.

Spiegel:

Schade, das hätte interessant sein können.

Kulle:

Schult der Spiegel seine Redakteure eigentlich im Umgang mit Ironie?

Spiegel:

Selbstverständlich. Wieso fragen Sie?

Kulle:

Lassen wir das. Was Ihre Frage betrifft: Der Mensch der 90er Jahre, den Sie bei Ihrer These im Blick haben, ist Angehöriger einer sowohl relativ als auch absolut schrumpfenden Minderheit. Er ist Angehöriger der Mittelklasse und lebt vorzugsweise in Nordamerika oder Europa. Er leistet sich das, was man cocooning nennt, weil er es sich leisten kann, aber weil er zu diesem Verhalten auch gezwungen wird.

Spiegel:

Eine sehr zweifelhafte These!

Kulle:

Wieso? Die schon vor Jahrzehnten konstatierte und heute auch für jeden spürbare Unwirtlichkeit der Städte, die Unsicherheit im öffentlichen Raum, primär bedingt durch das Auseinanderfallen der Gesellschaft, führen zu einem Vermeidungsverhalten. In der häuslichen Gemütlichkeit, im Plüsch, wenn es der denn sein muß, ist man einfach sicherer. Zudem bietet sich im privaten Bereich die Möglichkeit, den erworbenen Wohlstand – von den silbernen Messerbänkchen bis zur Armani- Küchenausstattung – gefahrenfrei zu präsentieren.

Der Durchschnittsmensch der 90er Jahre dagegen hat mit diesem Typus nichts zu tun. Er verelendet zunehmend, ist perspektivlos, im Extremfall auf der Flucht.

Spiegel:

Sie machen es Ihren Interviewern nicht gerade leicht.

Kulle:

Wieso nicht?

Spiegel:

Unsere Frage zielte auf die neue Gemütlichkeit, und Sie landen ganz schnell bei internationalen Flüchtlingsproblemen.

Kulle:

Entschuldigung, ich bin eben doch nur ein Bär.

Spiegel:

Da wir nun schon dabei sind: Wie sehen sie die Zukunft der Migrationsbewegungen?

Kulle:

Positiv.

Spiegel:

Das müssen Sie uns erklären.

Kulle:

Sie meinen vermutlich, ich soll verdeutlichen, wie ich zu dieser Einschätzung komme. Ganz einfach: Betrachtet man die Wanderungsbewegungen der Vergangenheit und Gegenwart und berücksichtigt dazu die politischen Konstellationen in verschiedenen Regionen der Welt, kommt man zu dem Ergebnis, daß mit großer Wahrscheinlichkeit soziale und politische Diskontinuitäten zunehmen werden. Migrationsbewegungen werden dementsprechend anwachsen, sich also positiv entwickeln.

Spiegel:

Sie haben einen merkwürdigen Begriff von positiv.

Kulle:

Einen mathematischen.

Spiegel:

Beschäftigen Sie sich mit Mathematik?

Kulle:

Regelmäßig, in meiner Freizeit. Es gibt kaum etwas Besseres, um logisches Denken zu trainieren. Schach ist allerdings ebenso gut.

Spiegel:

Hätten Sie Lust, gegen Deep Blue zu spielen?

Kulle:

Warum nicht? Aber nur, wenn er seine menschlichen Berater zu Hause läßt. Gegen Kasparow würde ich verlieren. Ich bin schließlich nur ein Bär und Amateur.

Spiegel:

Herr Kulle, möchten Sie ein Mensch sein?

Kulle:

Nein.


Spiegel:

Warum nicht?

Kulle:

Lesen Sie das Interview.

Spiegel:

Möchten Sie abschließend noch etwas bemerken?

Kulle:

Ich danke meiner Sekretärin.

Spiegel:

Herr Kulle, wir danken für das Gespräch.

 

Kulle über Sex

PD Kulle

Die menschliche Sexualität im Zeitalter ihrer nicht nur natürlichen, sondern auch technischen Reproduzierbarkeit (1)

Kulle

  1. Sexualität bei Pflanzen, Tieren und Menschen
  2. Die quantitative Entwicklung der Menschheit
  3. Die menschliche Anpassungsfähigkeit
  4. Die Nicht-Adaptionsfähigkeit der menschlichen Sexualität
  5. Der Korrekturversuch der Natur und seine Konterkarierung
  6. Künstliche Insemination
  7. Genetische Manipulation
  8. Fazit
  9. Fazit des Fazits
  10. Nachwort

1. Sexualität bei Pflanzen, Tieren und Menschen

 

Menschen können erstaunlicherweise manche Sachverhalte relativ angemessen rational beschreiben, obwohl sie sich in actu unangemessen irrational verhalten. Diese interessante Diskrepanz erlaubt es, zur Definition des zu untersuchenden Gegenstandes vorläufig auf Meyers Lexikon (2) zurückzugreifen.

Sexualität, so lesen wir da, „ist bei Pflanzen und Tieren identisch mit der geschlechtlichen Fortpflanzung. Bei niederen Tieren (3) ist das Fortpflanzungsverhalten allein von Geschlechtshormonen gesteuert, artspezifisch stereotyp und ausschließlich heterosexuell. Bei höheren Arten (4) übernimmt die Großhirnsteuerung eine stetig zunehmende Rolle. Die Folgen sind sexuelle Aktivität vor Eintritt der Geschlechtsreife und außerhalb der Brunst, Selbstbefriedigung, Homosexualität und die Bevorzugung bestimmter Partner.

Die Sexualität des Menschen schließlich geht noch weit (5) über das hinaus, was mit der Lust und den Aktivitäten in Abhängigkeit vom Funktionieren der Geschlechtsorgane sowie mit dem Verhalten, das zur Befruchtung…führen kann, zusammenhängt.“ (6)

Schon nach dieser kurzen Definition läßt sich also feststellen, daß menschliche Sexualität in zwei Richtungen strebt, die teilidentisch, aber auch völlig diskrepant sein können:

  • Fortpflanzung
  • sexuelle und/oder psychische Befriedigung.

Den wichtigsten Aspekt allerdings deutet Meyers Lexikon bestenfalls an:

Die menschliche Sexualität ist in all ihren Emanationen maßlos.

2. Die quantitative Entwicklung der Menschheit

Betrachten wir zunächst die Fortpflanzung.

Allein die absoluten Zahlen sprechen für sich.

Im Jahr 7000 v. Chr. (7) betrug die menschliche Weltbevölkerung ca. 10 Millionen.(8) Im Jahr 4500 v. Chr. waren es 20 Millionen. Homo sapiens sapiens brauchte also 2500 Jahre, um sich zahlenmäßig zu verdoppeln – ein Verhalten, das schon nicht mehr als weise bezeichnet werden kann. Schließlich beträgt die Landmasse der Erde 149 Millionen km2, das ergibt rein rechnerisch pro Mensch im Jahr 4500 v. Chr. etwa 7,5 km2. Die Fläche reichte also bereits nicht mehr für jeden aus, um sich als Jäger und Sammler durchzuschlagen, wenn man die Unwirtlichkeit von Sand- und Eiswüsten berücksichtigt. Allein die Jäger- und Sammlerexistenz wird jedoch jener Notwendigkeit gerecht, die seit einigen Jahren unter dem Schlagwort „sustainable development“ auch ansatzweise ins menschliche Bewußtsein dringt, obwohl die Menschen unter diesem Slogan natürlich die Entwicklung zu retten versuchen, also den Kapitalismus, nicht aber ihren Lebensraum.

Wie aber ging es weiter? Ich kürze die Darstellung ab: 1950 betrug die menschliche Weltbevölkerung 2,5 Milliarden, 1986 lebten 5 Milliarden Menschen auf der Erde. Die Menschen brauchten also nur noch 36 Jahre, um ihre Zahl zu verdoppeln, und jedem Menschen standen 1986 statistisch 0,03 km2 zur Verfügung.


Entwicklung der Weltbevölkerung

Es gilt, eine Populationszunahme in einem Zeitrahmen von – grob gerechnet – 6500 Jahren zu analysieren, die 25 000% beträgt. Selbst zahlreiche Seuchen, Hungersnöte und etliche Selbstausrottungsversuche der Menschen – sie selbst nennen das Kriege – konnten daran nichts ändern.

25 000%! Eine ungeheure Zahl! Selbst eine Krebszelle wäre stolz, wenn sie um so viel wachsen könnte. Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte sie ihren Wirtskörper vorher zerstört.

Wie haben die Menschen das geschafft?

Zwar ist die Frage sekundär9 , dennoch soll sie zuerst beantwortet werden.

3. Die menschliche Anpassungsfähigkeit

Der Schlüssel zur Lösung des Rätsels liegt in der verblüffenden intermediären (10) Adaptionsfähigkeit der Gattung Homo sapiens sapiens. Nach der Existenzphase als Jäger und Sammler konnten die Menschen durch die Ausweitung des Lebensraumes der Gattung, durch Ackerbau und Viehzucht, durch die Nutzung regenerativer und fossiler Energien ihren Ressourcenoutput erhöhen und gleichzeitig den individuell benötigten Lebensraum begrenzen. Die zunächst recht langsame zahlenmäßige Zunahme der Menschheit war dem mangelnden Wissen in bezug auf Hygiene und Gesundheit geschuldet, was eine hohe Mortalitätsrate vor allem bei jungen menschlichen Individuen zur Folge hatte. Erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts beschleunigte sich das Wachstum der Gattung, denn bessere Transport- und Kommunikationsmöglichkeiten verringerten die früher letalen Folgen lokaler Katastrophen. Das ausgehende 19. und das frühe 20. Jahrhundert dann sind gekennzeichnet durch bahnbrechende Erkenntnisse der Medizin, dank deren (11) die Mortalitätsrate signifikant sank. Nach dem II. Weltkrieg (12) erreichten die Prinzipien einer öffentlichen Gesundheitspflege und besserer hygienischer Bedingungen auch Asien, Lateinamerika und – zum Teil – Afrika, und Lebensmittel aus den von den Menschen so genannten entwickelten Ländern wurden dorthin exportiert (13), ohne die in diesen Regionen hohe Fertilitätsrate zu reduzieren.

Die Ursache dieses bemerkenswert raschen Wandels in der gesellschaftlichen Organisation des Gattungslebens liegt in dem, was die Menschen Intelligenz nennen (14) . Mit den ihnen zu Gebote stehenden Mitteln haben sie sich als Art angepaßt, wobei der Verlust an Individuen bei einem Wandel immer hoch war. (15)

Die eigentlich entscheidende Frage lautet aber:

Warum (16) haben die Menschen das geschafft?

 

4. Die Nicht-Adaptionsfähigkeit der menschlichen Sexualität

Der Schlüssel zur exorbitanten Quantitätszunahme von Homo sapiens sapiens liegt in der menschlichen Sexualität. Nein, falsch! Ich korrigiere mich wie folgt: in der männlichen menschlichen Sexualität. Ganz richtig ist das auch nicht: Das Wachstum hat auch mit der weiblichen Fertilität zu tun.

Wenn ich, P. D. (17) Kulle, zu stottern anfange, muß es sich um ein wirklich schwieriges Problem handeln. Es ist so, in der Tat. Ich werde versuchen, es am Beispiel der Kaninchen zu erläutern.(18)

Das Kaninchen

In Zeiten hoher sexueller Aktivität, wenn das Weibchen empfängnisfähig ist, vulgo Rammelzeit genannt, rammelt das Kaninchen-männchen. Das Rammeln unterscheidet es im Prinzip nicht vom Menschenmännchen (19) . Allerdings ist für dieses, anders als für das Kaninchen, immer Rammelzeit. Menschenfrauen sind nämlich im Prinzip (20) immer zur Paarung bereit, auch wenn sie nur in einem Zyklus von durchschnittlich 28 Tagen empfängnisfähig sind. Tiere dagegen verkehren nur sexuell miteinander, wenn das Weibchen empfangen kann. Ein Kaninchenmann (21) muß sich von Oktober bis Februar anderweitig vergnügen.

Nehmen wir an, die Kaninchenfrau wird schwanger, und auch die Menschenfrau wird schwanger. Beide Schwangerschaften verlaufen gut. Die Menschenfrau bringt ein Kind zur Welt, einen Jungen oder ein Mädchen – völlig normal für Menschenfrauen. Auch die Kaninchenfrau bekommt Kinder, aber deren Zahl richtet sich nach den jeweiligen Umweltbedingungen. Bis zu 30 Jungkaninchen pro Jahr sind biologisch möglich. War der Winter jedoch hart, gibt es also wenig zu knabbern, bleibt der Wurf klein. Sind die Bedingungen besser, kommen mehr Junge zur Welt. Aber auch die Zahl der Jagdfeinde ist bei guten Bedingungen höher, so daß die große Zahl rasch dezimiert wird.

Zwischenbilanz: Die globale Kaninchenpopulation (22) ist zwar kurzfristigen Schwankungen unterworden, sie bleibt aber wegen der in natürliche Vorgänge eingebundenen Lebensweise der Spezies letztlich konstant.

Über ein solches Anpassungsverhalten verfügen die Menschen nicht. Im Gegenteil: Ihr Sexualverhalten zeigt, daß sie sich um so intensiver reproduzieren, je schlechter die individuellen Rahmenbedingungen für die Aufzucht des Nachwuchses sind. Da Jagdfeinde der menschlichen Rasse fehlen (23) , ist auch ein Korrektiv dieses Verhaltens ex post nicht möglich.

Folgerung: Menschliche – männliche wie weibliche – Sexualität ignoriert Umwelt-(24) bedingungen völlig.

5. Der Korrekturversuch der Natur und seine Konterkarierung

 

Bei der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen entsprechend dem Stand der von ihnen entwickelten Produktivkräfte nicht nur von ihrem Willen unabhängige Produktionsverhältnisse ein (25) , es entstehen auch Konsumtionsverhältnisse.

Die angesichts der großen Menschenzahl notwendige Industrialisierung der Agrarwirtschaft und der Lebensmittelproduktion kann und will aus Profitinteresse auf die permanente und zunehmende Induzierung chemischer Substanzen nicht verzichten. Eben diese Industrialisierung und der damit einhergehende Abusus von Boden, Wasser und Luft wirken negativ nicht nur auf die menschliche Gesundheit im allgemeinen, sondern speziell auch auf die Spermaproduktion des Menschenmännchens. Gelten 200 – 300 Millionen Spermien pro Ejakulation als biologisch normal, so läßt sich seit Jahrzehnten eine Abnahme der Samenzellen beobachten, die inzwischen zu signifikanten Unfruchtbarkeitsquoten geführt hat.

Ist also endlich auch mit der Abnahme dieser Spezies zu rechnen, die sich, wir erinnern uns, effektiver vermehrt als eine Krebszelle? (26)

Weit gefehlt!

a) Künstliche Insemination

 

Dem egoistischen Individualsinn der Menschen, der sich hervorragend mit dem Sinn für Profit ergänzt, ist es geschuldet, daß der natürliche Rückgang der Fruchtbarkeit der menschlichen Spezies konterkariert werden konnte. (27) Menschenfrauen, die unfähig waren, Kinder zur Welt zu bringen, behaupteten, entsetzlich zu leiden (28) . Um diesem entsetzlichen Leiden zu entgehen, waren und sind sie bereit, sich entsetzlichem Leiden auszusetzen. So unterziehen sie sich zum Beispiel der Prozedur der in-vitro-Fertilisation: Sie lassen sich eine Eizelle aus der Gebärmutter entnehmen, die dann im Reagenzglas die Chance bekommt, sich mit Spermien zu vereinigen – möglicherweise Spermien des eigenen Mannes, aber, sollte der unfruchtbar sein, auch mit anderen. Parallel dazu existiert die in-vivo-Befruchtung: Die Menschenfrau erlaubt während ihrer fruchtbaren Tage einer kalten sterilen Kanüle statt eines warmen pulsierenden Penis, sich ihrer Gebärmutter zu nähern und dort ihren Samen zu deponieren.

Es ist nicht nur diese Tortur, die jedes fühlende Wesen schaudern macht, sondern auch ihr Ergebnis: Anders als bei der normalen Befruchtung endet das Rennen der Spermien oft unentschieden, mehrere erreichen gleichzeitig ihr Ziel, die Eizelle, und durchdringen deren Trennwand. Das Ergebnis sind Zwillinge, Drillinge, Vierlinge, Fünflinge – Mehrlinge. Die Menschheit vermehrt sich so in einem Maße, das alle bisherigen Horrorszenarien (29) verblassen läßt.

Damit nicht genug!

b) Genetische Manipulation

 

Seit nunmehr fünfzig Jahren bemühen sich die Menschen, das geheimste Geheimnis der Natur zu entschlüsseln: Das Genom, das Erbgut. Sie haben inzwischen gelernt, viele der in der DNA verschlüsselten Informationen zu lesen und zu verstehen. Sie können sie auch kopieren und manipulieren, so daß sie die Natur von Pflanzen und Tieren (30) verändern.

Das öffentliche Interesse der Menschen wird gegenwärtig aber nicht von dieser sehr weitgehenden Perspektive beherrscht, sondern von einem Schlagwort, das viel kürzer greift: Kloning. Kloning, das Herstellen von Klonen, meint die Reproduktion biologisch identischer Lebewesen. Die Idee scheint faszinierend (31) , und manche meiner menschlichen Wissenschaftlerkollegen (32) und auch sogenannte normale Menschen (33) sind davon schier besessen. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich den bärischen klaren Verstand aber schnell der entscheidende Pferdefuß: Psyche, Wissen und Erfahrung sind nicht übertragbar.

 

6. Fazit

Fassen wir zusammen.

Der Mensch ist das Krebsgeschwür dieser Welt. Er verhält sich wie eine Krebszelle. Wäre er intelligent genug, um zu begreifen, welche Gefahr er darstellt, würde er seine Reproduktion drastisch einschränken. Offenbar ist er dazu nicht intelligent genug, da es ihm an Möglichkeits- und Zukunftssinn mangelt. Im Gegenteil: Die partiellen intellektuellen Fähigkeiten, mit denen er ausgestattet ist, benutzt er, um sich weiter zu vermehren und sein eigenes Gattungsleben um so schneller zu beenden, während er doch glaubt, es zu verlängern.

7. Fazit des Fazits

 

Pfffffffffffft…(34)

8. Nachwort:

 

  • Selbstverständlich weiß inzwischen jeder, daß ich meiner Sekretärin danke.
  • Ich danke den Menschen, bei denen ich immer dann wohne, wenn ich nicht in Bärenleben bin, dafür, daß sie keine Kinder haben.
  • Ich hasse alle Menschen, die mehr als zwei Kinder haben, die sich in vitro oder in vivo fertilisieren oder sich klonen lassen.

Fußnoten:

1 Ich entschuldige mich bei Walter Benjamin für das Plagiat   
2 vgl. Meyers großes Taschenlexikon in 24 Bänden, Mannheim 1997, Schw – Spin   
3 Ich will hier nicht erörtern, wer damit gemeint sein könnte. Meiner Erfahrung nach gehören Frösche auf jeden Fall nicht dazu  .
4 Dankbar nehme ich zur Kenntnis, daß die biologische Systematik der Menschen Bären dazurechnet.   
5 Was „weit“ bedeutet, wird zu untersuchen sein   .
6 ebd. Deutlich wird hier übrigens die Sichtweise, daß Menschen weder Pflanzen noch Tiere sind. Als Wissenschaftler kann ich diesen Unsinn nicht gutheißen, als voreingenommener Bär stimme ich hingegen zu – ich möchte mit den Menschen so wenig wie möglich zu tun haben.  
7 Ich bediene mich hier der gängigen sog. abendländischen Zeitrechnung, obwohl jeder Wissenschaftler weiß, daß diese äußerst fragwürdig ist  .
8 Zwar war ich selbst damals noch nicht geboren und kann dergleichen Angaben also nicht empirisch nachprüfen; auch weiß ich nicht, auf welche Erkenntnisse meine menschlichen Wissenschaftlerkollegen ihre Aussagen stützen. Der Einfachheit halber glaube ich ihnen ausnahmsweise mal.   
9 Die Begründung für diese Einschätzung folgt weiter unten.  
10 Auch dieses wertende Adjektiv wird später erläutert  .
11 besser: derentwegen    
12 Nach menschlicher Zählung, versteht sich: Die Pflanzen und wir Tiere haben noch nie auch nur einen Krieg geführ t.   
13 Natürlich nur die Überschüsse!   
14 „Intelligenz“ impliziert nach menschlicher Definition die Fähigkeit, Wissen zur Bewältigung neuer, akuter Probleme anzuwenden und so bisher unbekannte Situationen bewältigen zu können. Der uns Bären beständig gegenwärtige Möglichkeits- und Zukunftssinn spielt dabei allerdings keine Rolle.    
15 Ich könnte hier übrigens viel darüber erzählen, wie viele andere Gattungen durch die Ausbreitung von Homo sapiens sapiens vernichtet worden sind oder durch sie gelitten haben. Eigentlich habe ich Lust dazu, denn ich bin ein Bär. Aber ich bin auch ein wissenschaftlicher Bär, und als solcher sage ich: Das gehört nicht hierher.   
16 vgl. Anmerkung 9    
17 vgl. „Der Wert“    
18 Man möge mir zugute halten, daß ich nicht, wie die menschlichen Biologielehrer, auf die Bienen zurückgreife.    
19 Im Prinzip nicht, die bei Menschenmännchen beobachtete Phantasie ist allerdings bei einigen wenigen Exemplaren höher ausgeprägt.  
20 Vergewaltigungen müssen bei dem hier zu erörternden Problem leider unberücksichtigt bleiben.   
21 Die Rede ist hier nur von ordentlichen Wildkaninchen, nicht von unordentlichen Haustieren.  
22 „Bevölkerungsexplosionen“ auf so genannten neu entdeckten Kontinenten wie Amerika oder Australien bleiben hier aus evidenten Gründen unberücksichtigt   .
23 vgl. Anmerkung 15   
24 Ich benutze diesen Begriff lediglich, damit menschliche Leser mich verstehen. Selbstverständlich wäre es viel korrekter, von „Welt-“ zu sprechen  .
25 Ich entschuldige mich ebenfalls bei Karl Marx   .
26 Die Menschheit ist übrigens auf dem Weg, ihren Wirtskörper zu zerstören, beeindruckend weit vorangekommen. Dieses an sich positive Phänomen hat allerdings eine Kehrseite: Der Wirtskörper der Menschen ist auch der aller anderen Existenzen   .
27 Das Modalverb gibt selbstverständlich die menschliche Sicht der Entwicklung wieder. 
28 Ich als Bär maße mir nicht an, dieses Leiden zu beurteilen. Allerdings gebe ich zu, daß es mir schwer fällt, ein heimliches Kichern zu verbergen  .
29 Ich verweise hier z. B. auf den vielleicht auh Menschen bekannten Spielfilm: „2024 – die überleben wollen“  .
30 Da Menschen, wissenschaftlich betrachtet, Tiere sind, können die Menschen natürlich auch in ihre eigene biologische Struktur eingreifen – und sie tun das auch. Allerdings geben sie das bisher öffentlich nicht zu. Entsprechende Arbeit wird in höchst geheimen Labors geleistet  .
31 Ich muß leider zugeben, daß auch ich selbst eine Sekunde lang von der Idee fasziniert war, mich verdoppelt zu sehen   .
32 Dr. Seed aus den USA z. B. will sich unbedingt klonen – ob da der Name das Bewußtsein bestimmt   ?
33 Die Zahl der Witwen, die sich einen Klon ihres Mannes wünschen, oder der unglücklichen Mütter, die auf diese Art der Reproduktion ihr totes Kind zurückhaben möchten, ist Legion  .
34 Ich gebe zu, daß ich überrascht davon bin, daß eine ökonomische und eine biologische wissenschaftliche Arbeit zu demselben Ergebnis führen!